Nothing personal, just business

Gestern hatte ich ein sehr lehrreiches Gespräch mit meinem neuen Mitbewohner. Dieser bleibt für eine Woche und man sieht ihn hauptsächlich am Computer. Während ich dies hier gerade schreibe, sitzt er neben mir und telefoniert übers Internet mit seinen Kollegen. Immer in Kontakt mit der Welt. Gestern Abend checkte er noch kurz ob die Australier schon wach sind und gerade eben spricht er mit England. Sein Job? Fundraising für Charity-Organisationen. Ein völlig neue Welt die sich mir dort in den letzten zwei Tagen aufgetan hat. Man nehme den fetten Armutsgürtel, der sich um den gesamten Globus zieht. Millionen Menschen die nicht in der Lage sind ihren Lebensstandart auf ein sicheres Niveau zu heben, und die täglich auf verschiedenste Organisationen angewiesen sind, um zu verhindern, dass das Land in soziale Super-GAUs verfällt. Mit ausgesprochen moralischen Motiven schreiten diese Organisationen voran, und betteln in westlichen Ländern für eine bessere Welt. Tun sie das? Kann man „meetings“ mit Vertretern großer Koorperativen, reichen potentiellen Erblassern im Smoking oder Anzug auf einer Dinner-party oder Gala über Charity- und Treuhand-Fonds betteln nennen?

Diese Leute arbeiten auf jeder Stil-ebene. Im Grund ließe sich ein Bettler der um seine nächste Mahlzeit bettelt als Fund-raiser, Fund-organizer, Charity-Organisation und Profiteur in einer Person bezeichnen. Jemand der diesem dann Geld gibt, würde dann allerdings wiederum an einer informellen und daher nicht nach §§ 525 BGB, Art 245 f, 249 OR gültigen Schenkung partizipieren und hätte somit doppelt keine Weisungsberechtigungen, die über die nicht existierenden Auflagen hinausgehen.

Bei einer Treuhandgesellschaft wie dem Ikhaya Trust ist das daher ein bisschen anders, aber dazu später…

Die Leute jedenfalls, die für afrikanische, asiatische, süd- oder mittelamerikanische Einrichtungen hauptberuflich Geldsammeln, erhalten nicht nur 20-30% des Gesamtbetrags der Einkünfte (GdE) als Sonderausgabenabzug zurück, sie werden mitunter von völlig anderen Charity-Fonds unterstützt, die wiederum Teile ihres Vermögens durch wirtschaftliche Investitionen maximieren. Welche Art von Investitionen? Wer weiß…

Ein durchaus mögliches Spendenergebnis von 100 000 ₤ würde neben der unbekannten fremden Unterstützung allein etwas über 2000 ₤ Steuerabzüge bringen. Für eine Beschäftigung die der Wirtschaft nur in sehr indirektem Maße dient aber sowohl durch diese, als auch durch andere gesellschaftliche und staatliche Instanzen unterstützt wird, ist das nicht wirklich schlecht.

Natürlich ist seine Art der Profit-Gewinnung nicht auf den eigenen Vorteil ausgerichtet. Im Gegensatz zu großen Unternehmen wie UNICEF, die (aufgrund seiner Größe) Millionen von US$ nur für Administration ausgeben „hält er den Leuten nicht das Foto von dem armen Kind vor die Nase und sagt ‚gib uns Geld'“. Abgesehen davon ist sein Geschäft lange nicht so groß, dass er es machen könnte… Er wirbt lieber mit Sätzen wie „Helft uns uns unseren Job zu verlieren“ und auf die Frage ob das je passieren wird antwortet er sehr zuversichtlich mit „sure, its possible“. Für einen klein-kalibrierten Visionär durchaus glaubhaft. Für jemanden, der bei der Arbeit auf der einen Seite nur mit harten schwarz auf weiß gedruckten Zahlen zu tun hat, auf der anderen aber dessen Sinn und Zweck bei den „Projekten“ und bei Werben dafür stehts relativieren muss, zumindest ein wenig etwas zweifelhaft.

Fakt ist, dass man viel mit den Finanzämtern zu tun haben muss, und man definitiv cleverer sein sollte als diese Jungs… Aber nur weil man seinen Lebensstandart damit aufrecht erhält indem man sich mit Behörden abgibt, während man täglich mit hohen Summen Geld hin- und herschiebt, heißt das noch lange nicht, dass dabei nichts gutes bei herauskommt. Zumindest nicht „gar nichts“ gutes…

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